Ostfriesland im Goldfieber


In der Zeit der Reichsgrafschaft im 15. Jhd. ist Ostfriesland nach langwierigen und blutigen Häuptlingskämpfen befriedet und unter der Regentschaft von Graf Ulrich kommt es zu einer Blütezeit, in der Handel, Handwerk und Kunst florieren. Handelsherren und Seefahrer brachten Kunstgegenstände aus Filigran mit nach Norddeutschland. So wurde die Filigrantechnik in Ostfriesland verbreitet, die im gesamten Mittelmeerraum schon seit 2000 v. Chr. bekannt war.

Die zu Reichtum gekommenen Friesen wollten sich gerne genauso prächtig geben wie der französischen Adel und  begannen, ihre Frauen ausgiebig mit Gold zu schmücken.
Gold und Silber haben bei den Friesen schon seit Karl dem Großen eine wichtige Rolle gespielt. Er hatte ihnen gestattet, sich von Kopf bis Fuß mit Gold zu behängen, soviel sie nur tragen konnten, ohne dafür Steuern zahlen zu müssen.

Sogar Gräfin Anna von Ostfriesland, sonst für Sittenstrenge und Bescheidenheit gerühmt, hat 1545 die ostfriesischen Edelfrauen geradezu dazu aufgefordert, ihren Reichtum öffentlich zur präsentieren. Und die ostfriesischen Damen folgten der Aufforderung sehr willig. Frauentrachten entstehen, über und über mit Goldplatten verziert, mit Scharnieren verbunden und besetzt mit erlesenen Edelsteinen. Selbst Strümpfe und Schuhe sind mit Gold geschmückt und ein Gürtel soll allein zwei Pfund gewogen haben.
Leider hat sich keine dieser Trachten erhalten. Mit der Reformationszeit endete der Goldrausch und das Friesengold ist wohl eingeschmolzen worden.


Farbbild aus dem Hausbuch
des Unico Manninga

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Nur durch das „Hausbuch" des Unico Manninga von 1561 hat sich das Wissen über die Gold-Trachten erhalten. Manninga, ein weitgereister Adeliger, beschreibt die goldstrotzenden, panzerartigen Gewänder und zeigt auch Bilder davon. Etwa dreißig Familien sollen in Ostfriesland, eine solche Tracht besessen haben. Auch die Frauen des Mittelstandes sollen sich mit Goldplatten, verziert mit Edelsteinen und feinem Filigran, geschmückt haben. Gold galt - auch bei Bauern, Kaufleuten und Handwerkern - als wertbeständige Kapitalanlage.
Um 1750 kam es zu einer zweiten großen Blüte der Goldschmiedekunst. Der kostbare Familienschmuck, der damals entstand, wurde von Generation zu Generation weitergegeben - bis in die heutigen Tage.
Dieser traditionelle, ostfriesische Filigranschmuck besteht aus immer wiederkehrenden Formen wie Halbmonde, Rosetten und Muscheln, aber auch Karos, Ranken und Sonnen, die auch ich bei meinen Schmuckstücken verwende.
In Leer gestaltete um 1770 der Goldschmied Rintius de Grave solchen Schmuck aus feinstem Golddraht. Und das Besondere - ihm gehörte damals das Haus, in dem sich heute mein Atelier  befindet.



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